Geschichten

 

In der in 2014 neu erstellten Rubrik "Geschichten" sollen Erfolgsgeschichten des Therapeutischen Reiten erzählt werden. Wir hoffen, dass sich diese Unterseite in der Zukunft noch mehr füllt und dass diese Geschichten einen ersten Eindruck von dem Erfolg unserer Methoden bietet.

 

Diesen Text hat eine junge Frau geschrieben, ich habe ihn im Juni 2014 auf facebook gefunden und war sehr gerührt:

 

 

Ich hatte einen Unfall mit einem Pferd und hatte danach Angst vor Pferden. Ich hatte mein komplettes erarbeitetes Vertrauen dadurch verloren.


Dann kam eine Frau und hat mir geholfen, das Vertrauen wieder zu finden. Wir machten über Tage, Wochen und Monate Übungen und jetzt endlich nach 3 Jahren habe ich es wieder bis nach ganz oben geschafft: Das Ausreiten klappt super, auf dem Platz reiten klappt bestens, ich habe keine Angst mehr vor der Kopfstellung des Pferdes, eher im Gegenteil. Ich beruhige das Pferd, wenn es nervös ist und heute habe ich meinen ersten kleinen Sprung gemacht, ich bin so stolz auf mich und mein Pferd Beauty.


Wir sind ein richtiges Team nach so vielen Jahren. Ich weiß nicht, wie ich es dir jemals danken soll, Elke Schulz, ich danke dir von meinem ganzen Herzen, dass du mir so viel Vertrauen und Liebe zu den Pferden wieder gegeben hast. Ich hab dich lieb genauso wie mein alllllller bestes Pferd Beauty — außergewöhnlich.

 

 

 

 

 

Bei uns ist auch Frühförderung bei den Kleinsten schon angesagt. Natürlich dürfen kleine Geschwisterkinder unsere Pferde streicheln, beim Putzen helfen und sich auch schon mal auf das Pferd setzen.

Und das ist Anna: Etwas über zwei Jahre alt bei ihrem ersten Turniereinsatz. Außer Konkurrenz ist Anna beim Führtrail mitgeritten und hat die Herzen aller Zuschauer erobert.

Selbstverständlich achten wir darauf, dass die Kleinsten nicht zu sehr belastet werden und nur im altersentsprechenden Rahmen und mit bester Sicherung unseren Pferden begegnen.

 

 

 

 

 

Mein 7 jähriger Sohn zeigte von frühester Kindheit an Auffälligkeiten, die ihn in seinem Verhalten deutlich von anderen Kindern und seinem Bruder unterschieden.

Körperkontakt und Änderungen im gewohnten Tagesablauf lösen bei ihm Panik und ein Verlassen der Situation durch weglaufen aus. Ist er gezwungen solche Situationen dennoch auszuhalten, reagiert er aggressiv, auch mit selbstverletzender Tendenz.

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule und die damit verbundene größere Flexibilität, die ihm abgefordert wurde, verschärften die Problematik für ihn derart, dass ein Schulbesuch nicht mehr möglich war.

Es war für ihn und für die ganze Familie eine sehr schwierige und belastende Zeit.

Er kam nicht damit zurecht, dass nach einem Feiertag am nächsten Tag wieder Schule ist, weil ein Wochenende i m m e r  2 Tage hat, wenn der Sportunterricht von der Turnhalle auf den Sportplatz verlegt wurde, wenn es in der Klasse laut war, andere Kinder sich stritten oder eine Stunde von einer Vertretungslehrerin gehalten wurde. Auch die große Pause bedeutete für ihn eine absolute Reizüberforderung, nach der er weinend auf den Stufen der Schule saß.

Er ist ansonsten ein absolut liebes, verantwortungsbewusstes und zuverlässiges Kind mit stark ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit.

Schließlich begann er aus der Schule zu flüchten, sich selbst zu gefährden, weil er in Panik ohne aufmerksam zu sein durch den fahrenden Verkehr lief. Der Schulweg war ihm selbständig nicht mehr möglich. Beim Versuch ihn in die Klasse zu bringen, hielt er sich zu Hause schreiend am Treppengeländer fest, wickelte sich in den Vorhang ein und schloss sich ein, einmal hat er es sogar beinahe geschafft aus dem fahrenden Auto auszusteigen. Wir waren ständig in großer Sorge um ihn und er tat uns sehr leid, wir waren ratlos wie wir ihm helfen konnten.

Zunächst folgte eine Odyssee von Arztterminen, ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt und viele, viele ambulante Termine.

Aber k e i n e Hilfe! Die einzige "Hilfe", die uns angeboten wurde, war der Vorschlag einer Einweisung in die Kinderpsychiatrie, wo wir unseren Sohn nur am Wochenende sehen sollten. Wir waren entsetzt, denn das wäre für ihn eine nicht aushaltbare Belastung gewesen. Das Diagnoseverfahren zieht sich unglaublich lange hin. Hinzu kommt, dass er viele Untersuchungen nicht duldet, da sie mit Körperkontakt oder Provokation einhergehen.

Daher entschied ich mich aus eigenen Stücken für Therapeutisches Reiten bei Frau Schulz und über diese Entscheidung bin ich sehr froh, sie war die beste, die wir in dieser Situation treffen konnten, um unserem Sohn zu helfen.

Er lernte Entspannung zu finden, sich auf ein Pferd einzulassen, Verantwortung für das Pferd zu übernehmen, er konnte sich erstaunlich gut auf Frau Schulz einlassen, entwickelte Strategien für den Umgang mit seinen Ängsten. Lange habe ich ihn nicht so glücklich und entspannt gesehen wie auf "seinem" Pferd.

Mit Hilfe von Frau Schulz konnte mein Sohn zunehmend auch eigene Ressourcen entwickeln. Es hat ihm unglaublich geholfen mit dem System Schule zu Recht zukommen und auch seine Selbstorganisation zu stärken.

Nach mehrwöchiger kompletter Schulverweigerung und einer gescheiterten Wiedereingliederungphase, ist es ihm nun wieder möglich die Schule weitestgehend problemlos zu besuchen. Mein Mann und ich können wieder geregelt unserer Arbeit nachgehen. Er schafft es mittlerweile sogar die Pausen wieder auf dem Schulhof zu verbringen.

Zu Anfang konnte er nur im Büro der Direktorin beschult werden, abseits der Klasse. Mittlerweile nutzt er ihr Büro nur noch selten als Fluchtraum und nimmt regulär am Unterricht teil. Wichtig war für ihn und uns auch die Unterstützung, die er von der Schule erhalten hat und noch erhält.

Ein gute Zusammenarbeit und den offenen Austausch aller Beteiligten halte ich für sehr wichtig.

Ich bin sehr froh, dass meinem Sohn hier geholfen werden konnte! Er liebt seine Stunde, obwohl ihm die Teilnahme an sportlichen Hobbys sonst nicht möglich ist.

Mittlerweile macht er noch weitere Fortschritte, er organisiert sich mit seiner Problematik und lernt sich zunehmend besser selbst kennen. Findet selbständig Wege, um mit für ihn schwierigen Situationen zu Recht zukommen.

Meine Hoffnung, die ich in die Reittherapie gesetzt habe wurde mehr als erfüllt! Erstaunlicher Weise kann er hier vieles umsetzen und erproben, was ihm ansonsten nur schwer oder gar nicht möglich ist.

 

 

 

 

 

 

Mit 16 Jahren veränderte sich das Leben von Nadine und ihrer Familie von einem auf den anderen Tag.

Bis dahin war Nadine ein heranwachsender Teenager mit allem was dazu gehörte: Erste kleine Flirts mit Jungs, sie war Schulsprecherin, große Schwester, hilfsbereit älteren Menschen gegenüber und sie war ein pubertierender Teenager, wie wir sie kennen.

Eines Tages kam sie von der Schule nach Hause und legte sich hin, weil ihr nicht gut war. Ihr Allgemeinzustand verschlechterte sich rapide. Am Abend wurde sie ins Krankenhaus eingewiesen.

Sie hatte eine bakterielle Lungenentzündung, auch Sepsis genannt. Ihr Körper versagte. Sie wurde wiederbelebt und schaffte es!

Doch sie war nicht mehr dieselbe.

Reden, Laufen, Schreiben, Essen, Trinken ... konnte sie von nun an nicht mehr. Durch eine sogenannte PEG (künstlicher Zugang zum Magen) wird ihr seitdem Nahrung und Flüssigkeit zugeführt. Sie bekam einen Rollstuhl der für sie angepasst wurde. Ihr Kopf war ständig auf ihre Brust gesenkt.

Mit der Zeit und ständiger Krankengymnastik lernte Nadine erst Stehen und dann mit Hilfe eines Rollators, wieder gehen. Seit drei Jahren ist Nadine bei Elke und ihren Pferden. In den ersten 1 1/2 Jahren hat Nadine „beobachtet“, Vertrauen zu den Pferden und Elke aufgebaut, sich langsam an die Pferde herangetastet. Sie hat sich mit dem Umfeld vertraut gemacht und ausgiebig mit allen Beteiligten „gekuschelt“.

Man konnte deutlich Veränderungen an ihr wahrnehmen. Sie wirkte viel aufgeweckter, entwickelte für sich Möglichkeiten zur Verständigung durch Gestik und Mimik. Jeder konnte sehen, dass sie sich sehr freute wenn es hieß: „Heute fährst du Reiten“. Es kam der Punkt an dem Nadine deutlich zeigt, dass ihr das „kuscheln“ mit den Pferden nicht mehr reichte. Sie wollte endlich „oben sitzen“

Und nun sitzt sie seit ca. einem Jahr auf dem Rücken eines Pferdes.

Wenn wir zum Reiten fahren, brauchen wir keinen Rollator. Nadine ist in der Lage einige Schritte alleine zu laufen. Einen Rollstuhl benötigt sie nicht mehr. Es reicht ihr, wenn man ihr eine Hand anbietet oder sie sich an einem Arm festhalten kann.

Ihre gesamte Körperhaltung hat sich verbessert. Nadine hat ein neues Körperbewusstsein entwickelt, ihre Bewegungen sind flüssiger, ihre Muskulatur ist kräftiger, sie ist in der Lage ihr Gleichgewicht auf dem Rücken des Pferdes zu halten und sie wirkt viel interessierter und lebhafter.

 

 

 

 

 

Ich möchte mich gerne noch für die schöne Zeit bei Dir und den Tieren, ganz besonders im Namen von Tom,  bedanken. Gerade, wenn man ein "besonderes" Kind hat, lernt man einige besondere Menschen kennen, die verstehen, die Verständnis haben, die nicht groß nachfragen, die einfach da sind.

Das habe ich einige wenige Male erlebt und immer wieder freut es mich sehr, solchen Menschen zu begegnen. Wennn ich mich dann von ihnen verabschieden muss, bin ich traurig, aber auch dankbar für die tollen Momente, für die Hingabe und die Geduld, die sie meinem Kind geschenkt haben.

Du bist eine von diesen besonderen Menschen und ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Erfolg mit Deiner Arbeit. Du leistet Großartiges zusammen mit Deinen Vierbeinern und Deinem Team!!! Bitte mach weiter damit, solange es geht.